Warum Eltern oft den falschen Weg zur Selbstbewusstseinserziehung gehen
Eine Psychologin fordert Eltern auf, ihre Erwartungen an die Selbstbewusstseinerziehung zu überdenken. Zu viel Druck kann mehr schaden als nutzen.
MAGDEBURG, 10. Juni 2026 — Eigener Bericht
Ich bin überzeugt, dass Eltern, die versuchen, ihre Kinder mit übersteigertem Selbstbewusstsein zu erziehen, oft mehr Schaden als Nutzen anrichten. Stattdessen sollten wir den Fokus darauf richten, unseren Kindern zu helfen, eine gesunde Selbstakzeptanz zu entwickeln. Der Drang, das Kind als selbstbewusst zu sehen, kann zu einem enormen Druck führen, der letztlich die seelische Gesundheit gefährdet.
In der Erziehung geht es nicht nur darum, aus einem Kind einen kleinen Machertypen zu formen. Vielmehr sollten Eltern ihren Kindern die Möglichkeit geben, eigene Erfahrungen zu sammeln und in einem geschützten Raum zu scheitern. Wenn Kinder ein Gefühl für ihre eigenen Stärken und Schwächen entwickeln, lernen sie, selbstbewusst mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen. Dies geschieht jedoch nicht, wenn sie ständig in der Vorstellung leben müssen, perfekt oder überaus selbstbewusst zu sein.
Ein weiterer Punkt ist, dass es nicht selten zu einem Vergleichsverhalten unter den Kindern kommt. Wenn Eltern zu sehr darauf drängen, dass ihr Kind selbstbewusster sein soll als andere, setzen sie es unbewusst in Konkurrenz zu seinen Altersgenossen. Das kann dazu führen, dass das Kind die eigene Entwicklung nicht mehr wertschätzt und sich selbst ständig hinterfragt. Die Förderung von echtem, authentischem Verhalten ist viel wichtiger als das oberflächliche Streben nach Selbstbewusstsein, das möglicherweise nur auf der äußeren Wahrnehmung basiert.
Natürlich könnte man einwenden, dass Selbstbewusstsein eine Schlüsselkompetenz ist, die für den späteren Erfolg im Leben entscheidend ist. Diese Sichtweise ist nicht falsch, aber sie verkürzt die Realität auf einen sehr einseitigen Ansatz. Erfolg kann auch anders definiert werden, und es besteht kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Selbstbewusstsein eines Kindes und seinem späteren Lebensweg. Wir sollten uns viel mehr darauf konzentrieren, ein solides Fundament von emotionaler Intelligenz und Empathie zu legen, anstatt das Kind mit dem ständigen Drang zur Selbstvermarktung zu überfrachten.